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Aschenbach und Tadzio - Veränderungen

 

Aufgabe: Untersuchen Sie das Verhältnis von Aschenbachs Denken, seinen Gefühlen und seinem künstlerischen Schaffen.

Inwieweit gibt es Veränderungen durch Tadzio?

Textstellen: S.15 – 18, S. 53 –54, S. 82 – 90, S. 123 – 125, S. 134 – 135

 

In der Novelle „Tod in Venedig“ von Thomas Mann ist der Schriftsteller von Aschenbach sehr darauf bedacht, seine Gefühle im Zaum zu halten. Schon während seiner Jugend hat er gelernt, sie oftmals zu unterdrücken und sich an der Vernunft zu orientieren (S.15 „Auch wurde denn, was ihn da eben so spät plötzlich angewandelt, sehr bald durch Vernunft und von jung auf geübte Selbstzucht gemäßigt...“). Er empfindet die Produktion seiner Werke oft als Belastung und fürchtet, seine Werke vor seinem Ableben nicht vollenden zu können. Daher ist er kein Liebhaber der bunten Außenwelt, welche ihm nur Zerstreuung bereiten und somit an der Fertigstellung seiner Werke hindern könnte (S.15 „...zu belastet von der Verpflichtung zur Produktion, der Zerstreuung zu abgeneigt, um zum Liebhaber der bunten Außenwelt zu taugen...“). Er selbst bezeichnet seine Arbeit als „starren, kalten und leidenschaftlichen Dienst“ (S.16).

Durch die Begegnung mit dem fremden Wanderer hat ihn endgültig das Fernweh gepackt und er führt nun einen noch stärkeren täglichen Kampf mit dem Willen zur Reise und der wachsenden Müdigkeit (S.16 „...Kampf [...] zwischen seinem zähen und stolzen, so oft erprobten Willen und dieser wachsenden Müdigkeit, von  der niemand wissen...“). Vor allem denkt er dabei auch an seine Werke, welche nichts von dieser Müdigkeit abbekommen dürfen und an welchen er gerade unfähig ist, konzentriert zu arbeiten (S.16 „Er dachte an seine Arbeit, dachte an die Stelle, an der er sie auch heute wieder, wie gestern schon, hatte verlassen müssen...“). Ebenso waren die erschaffenen Produkte für ihn schon lange nicht mehr akkurat, da ihnen das gewisse Etwas an Gefühl fehlte, welches er selbst jedoch schon früher zu ersticken versuchte (S.17 „...er ward ihrer nicht froh, und es schien, als ermangle sein Werk jener Merkmale feurig spielender Laune...“).

Das Fernweh siegte schließlich, da Aschenbach sich davon einen erträglichen und ertragreichen Sommer erhoffte, wenn auch nur an einem „Allerweltsferienplatze“ (S.18).

Veränderungen erfährt von Aschenbachs Gemüt endgültig, als er in Venedig auf den polnischen Jungen mit Namen Tadzio trifft. Dieser löst neue Gefühlsregungen in ihm aus, er versinkt vollkommen in dem Knaben (S. 53 „...in Anschauung versunken...“; S.54 „...sonderbar ergriffen...“).

Er studiert dessen Körper und Gehabe, welche eine „zarte Sinneslust“ in ihm auslösen, genau, und ist „bezaubert“ (S.82).

Von nun an scheint der Schriftsteller seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Er verfällt in eine Art „Rausch“ (S. 84).

Er wünscht urplötzlich zu schreiben und zwar in Tadzios Gegenwart, welchen er als „Muster“ und vorgebenden Stil für sein Schaffen nimmt. (S.87 „...nach Tadzios Schönheit seine kleine Abhandlung...formte“). Durch Tadzio erarbeitet Aschenbach seit Langem endlich wieder ein für ihn selbst „erregendes“ und zufrieden stellendes Stück aus (S.87 „Nie hatte er die Lust des Wortes süßer empfunden...“).

Gleichzeitig war er dennoch froh, dass die Welt nicht die Hintergründe der Entstehung erfahren würde, nämlich, dass ihm ein 14-jähriger polnischer Junge „Erhebung und Bewegung“ verlieh (S. 88 „...denn die Kenntnis der Quellen, aus denen dem Künstler Eingebung floß, würde sie nur verwirren...“).

Von Aschenbach hegt zwar Gedanken daran, sich zu beherrschen, da seine Gedanken und Gefühle ein fremdes Spiel treiben. (S.89 „Dieser Schritt... hätte sehr möglicherweise...zu heilsamer Ernüchterung geführt.“) Aber der neu erfahrene Rausch erscheint ihm zu teuer. Er will partout keine „heilsame Ernüchterung“, sondern verfällt in die früher bekämpfte Liederlichkeit und Zügellosigkeit, auch wenn es ihm teilweise als Schwäche oder Niederlage erscheint (S.89 „Denn heilsame Ernüchterung nicht zu wollen, ist Zügellosigkeit.“).

„Er spielte, schwärmte und war viel zu hochmütig, um ein Gefühl zu fürchten“ (S. 90). Auch die Gedanken an eine Heimreise waren wie weggeblasen.

Deutlich wird hier vor allem, dass er durch die erlangte Stärkung nun in Rausch und Empfindung aufgeht, wogegen er diese Erquickung früher für seine Werke genutzt hat, welche nun mehr und mehr in den Hintergrund gerückt werden (S.90).

Die Kunst sei sowieso eine Lüge bzw. mit Vorsicht zu genießen (S.134 „Die Meisterhaltung unseres Stiles ist Lüge...“), daher schiebt er seine Erkenntnis beiseite und wendet sich bewusst und in Entzückung dem Abgrund und Ende seines Schaffens entgegen (S.135 „So sagen wir etwa der auflösenden Erkenntnis ab...“; „Aber Form und Unbefangenheit, Phaidros, führen zum Rausch... führen zum Abgrund... Uns Dichter, sage ich, führen sie dahin, denn wir vermögen nicht, uns aufzuschwingen, wir vermögen nur auszuschweifen.“)

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