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Die Romantik - ca. 1790 bis 1850

Begriff und Daten

- "Romantik" hat nichts mit dem heutigen Wortsinn gemein, ganz im Gegenteil sind Elemente wie Widersprüche, Spannungen und Verzweiflung häufiger Bestandteil als die Freude am Leben
- vom englischen Wort romantic, was soviel heißt wie romanhaft oder unwirklich
- geistes- und stilgeschichtliche Epoche etwa von 1790 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
- Unterteilung in drei Phasen:
- Frühromantik (1790 bis 1804): theoretisch und philosophisch geprägt (Zentren Jena und Heidelberg)
- Hochromantik (1804 bis 1815) auch Heidelberger Romantik: baut auf den frühromantischen Theorien auf und setzt sich kritisch mit deren Werken auseinander
- Spätromantik (1815 bis 1848): Kennzeichen siehe unten (Zentren: Berlin, Wien, Nürnberg und Karlsberg

CDF - Zwei Männer

Caspar David Friedrich - "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" (um 1819)

Hintergrundinformationen

- Romantiker gegen Nützlichkeitsdenken der Industriegesellschaft und den Rationalismus der Naturwissenschaftler
- Mittelalterverehrung
- Frömmigkeit
- Neue Technologien und Maschinen bewirkten Verstädterung und Landflucht
- Nach der französischen Revolution und Expansion Frankreichs entsteht der Wunsch der Deutschen nach einemNationalsaat
- Meinungsäußerung nur verschlüsselt möglich

Literatur

Zentrale Themen und Motive:
-> „Auf-der-Flucht-Sein“/Ratlosigkeit; Gegenposition zur Rationalität der Aufklärung

  • Die Sehnsucht nach der Ferne und Unendlichkeit (Eichendorff, Sehnsucht)
  • Das melancholische Lebensgefühl: Wehmut (Tieck, Trauer)
  • Nacht und Tod (Eichendorff, Der Einsiedler) / Der Tod als Liebhaber
  • Romantische Lebenswanderschaft (Eichendorff, Die zwei Gesellen)

-> „(Universal-)Poesie“ als einer der zentralen Begriffe dieser Epoche (universaler Zusammenhang aller Dinge, verbindendes Glied zwischen künstlerischem und gesellschaftlichem Leben)

Ziele:
-> Auslösen von Prozessen im Innern/ Erfahrung des tiefen Ichs

  • Anstoßen des Lesers und Hilfe zum Verlassen der Wirklichkeit
  • mit allen Sinnen in eine andere bzw. bessere Welt eindringen (literarische Erzeugnisse:  “Himmelsleitern“)

Stilmittel und Kennzeichen:

  • Vielzahl der romantischen Themen und die Vielschichtigkeit ihrer Darstellung
  • Vermischung der Gattungen (weder Form noch Inhalt festgelegt) à Sprengung der Grenzen
  • Unterbewusstes in der Literatur ausgelebt und zum Vorschein gebracht
  • Gefühl, Fantasie, christliche Frömmigkeit, irrationale Denkweise, übersteigerter Subjektivismus, Jenseitsorientierung und Überschreitung der Grenzen der WirklichkeitWidersprüchlichkeit und Gegensatz: Traum und Wirklichkeit, Märchen und Gesellschaftskritik, Vergangenheit und Gegenwart, Endliches und Unendliches, Ernst und Humor sollten sich verbinden

Gattungen:

  • Schwerpunkte: Märchen, Gedichte, Novellen, Volkslieder
  • Bedeutungsverlust: Roman („romantisches Buch“), Theaterstück, Drama

                           
Autoren und Werke:
Novalis (Friedrich von Hardenberg) (1772 – 1801): „Hymnen an die Nacht“ (1799/1800)
Ludwig Tieck (1773 – 1853): „Volksmährchen, 3 Bde.“ (1797); Übersetzung der Werke Shakespeares
Clemens Brentano (1778 – 1842): „Die Reinmärchen“ (1846)
Karoline von Gründerode (1780 – 1806):„Gedichte und Phantasien“ (1804), „Poetische Fragmente“(1805)
Joseph von Eichendorff (1788 – 1857): „Ahnung und Gegenwart“ (1815), „Mondnacht“ (1837)   

Romantisches Gedicht-Beispiel

 Ludwig Tieck, Melankolie (1795)

Schwarz war die Nacht und dunkle Sterne brannten
Durch Wolkenschleier matt und bleich,
Die Flur durchstrich das Geisterreich,
Als feindlich sich die Parzen abwärts wandten,
Und zorn‘ge Götter mich ins Lebens sandten.

Die Eule sang mir grause Wiegenlieder
Und schrie mir durch die stille Ruh
Ein gräßliches: Willkommen! zu.
Der bleiche Gram und Jammer sanken nieder
Und grüßten mich als längst bekannte Brüder.

Da sprach der Gram in banger Geisterstunde:
Du bist zu Qualen eingeweiht,
Ein Ziel des Schicksals Grausamkeit,
Die Bogen sind gespannt und jede Stunde
Schlägt grausam dir stets neue blut´ge Wunde.

Dich werden alle Menschenfreuden fliehen,
Dich spricht kein Wesen freundlich an,
Du gehst die wüste Felsenbahn,
Wo Klippen drohn, wo keine Blumen blühen,
Der Sonne Strahlen heiß und heißer glühen.

Die Liebe, die der Schöpfung All durchklingt,
Der Schirm in Jammer und in Leiden,
Die Blüte aller Menschenfreuden,
Die unser Herz zum höchsten Himmel schwingt,
Wo Durst aus sel´gem Born Erquicken trinkt,

Die Liebe sei auf ewig dir versagt.
Das Tor ist hinter dir geschlossen,
Auf der Verzweiflung wilden Rossen
Wirst du durchs öde Leben hingejagt,
Wo keine Freude dir zu folgen wagt.

Dann sinkst du in die ew´ge Nacht zurück,
Sieh tausend Elend´ auf dich zielen,
Im Schmerz dein Dasein nur zu fühlen!
Ja erst im ausgelöschten Todesblick
Begrüßt voll Mitleid dich das erste Glück. - 

 

Übungsaufgabe:
Ziehen Sie Parallelen zwischen der „Deutung“ des Bildes „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ von Caspar David Friedrich (S.o.) und dem Gedicht „Melankolie“ von Ludwig Tieck und ermittle somit die zentralen Themen und Motive der Romantik.

                     

 
 
 

 

 
 
 

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