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Die Aufgaben, sein Wandel sowie die Tendenzen des modernen Dramas/Theaters - Kroetz' Interview mit der "Zeit"

Stellungnahme zu der Position Kroetz´ (Interview mit der Zeit vom 8. Juni 2006):  Einbezug der Überlegungen und Kenntnisse über mögliche Aufgaben des Theaters, eines etwaigen Wandels seiner Funktion und Tendenzen des modernen Dramas/Theaters.

An den provozierenden Antworten Kroetz´ während eines Interviews mit der „Zeit“ vom 8. Juni 2006 wird seine Rolle als leidenschaftlicher „Kämpfer für die Zukurzgekommenen“ deutlich.
Er arbeite mit der Darstellung des Extremen, da nur diese die Menschen zu wirklichem Handeln und intensivem Nachdenken bewegen könne.
Hierbei sei es nur natürlich, dass er Grenzen und Tabus sprengen müsse, um seine gewünschten Ziele zu erreichen.
Kroetz wolle die Menschen aufwecken und zum Aufstehen bewegen, wofür eine emotionale Explosion erfolgen müsse.

Die Provokation war hierbei schon immer ein beliebtes Mittel Kroetz´ sowie die drastische Darstellung der durch die Sprachlosigkeit asozial werdenden Unterschicht, welche er oft mit Gewaltakten untermauerte.
Seine „neuen Volksstücke“ sprechen nicht mehr nur die gehobene Schicht an, sondern beziehen sich auf das gesamte Volk, wobei sie die Unterschicht durch das niedrige Sprachniveau nicht nur bestens einbeziehen („mitten drin“), sondern auch bestmöglich darstellen.
Während der 70er Jahre herrschte beispielsweise ein allgemeines „Leiden an der Zeit [und] an der (Industrie-) Gesellschaft der Gegenwart“, dies versuchte der Stückeschreiber Kroetz insofern realistisch darzustellen, als dass er die wahrhafte Stimmung der Ausweglosigkeit und die daraus resultierende Sprachlosigkeit drastisch hervorhob.

Um die gewünschten Reaktionen zu erreichen, entwickelte er auch die Gestaltungskriterien des „epischen Theater“ von Bertolt Brecht weiter und modifizierte sie.
Auch Kroetz versucht die Aktivität des Menschen zu wecken, indem er ihn zum Nachdenken über die gegeben Situation bewegt. Er soll sich nicht mit seiner Lage abfinden, sondern erkennen, dass er ein veränderlicher und verändernder Mensch ist.
Es wird deutlich, dass das gesellschaftliche Sein das Denken bestimmt und somit das Leben innerhalb der Unterschicht zu gestörter Kommunikation führt.
Franz Xaver Kroetz will den Menschen und Zuschauern durch seine oft negativen Ausgänge der Stücke verdeutlichen, dass sie sich diese Behandlung nicht gefallen lassen dürfen.

Der Stückeschreiber Kroetz kann demnach also als ein vorbildlicher Vertreter „modernen Theaters“ verstanden werden, dessen Ziele es waren, die Alltagsprobleme alltäglicher Figuren darzustellen, um durch eine extreme Sozialkritik „Veränderungen vorzubereiten.“ Da dieses Theater endlich seinen schlichten Interpretationscharakter verlor, kann es demnach als gnadenloses Spiegelbild der Wirklichkeit und „Politikum ersten Ranges“ verstanden werden. Hierdurch eignet es sich hervorragend für das Erreichen der Beabsichtigungen Kroetz´, welcher während seiner Schaffenszeit die Tabus brechen wollte, um die niedergemachten und klein gehaltenen Menschen zur Aktivität bzw. Reaktion zu führen.
Die Sprache, die häufig mit einem spezifischen Dialekt versehen wurde, ist diesbezüglich das elementare Mittel der Vermittlung oder Übertreibung des Sachverhaltes im „modernen Theater“ und auch in Kroetz´ Stücken, wofür sie eine derbe und provozierende Art innehatte.
Im klassischen Drama nach Aristoteles sollte eine klare Einhaltung der Einheiten, welche sich aus Zeit, Raum und Handlung zusammensetzten, erfolgen.
Nun soll der Zuschauer sollte durch Extremdarstellung und das Auflösen dieser Einheiten eine Desillusionierung erfahren, aufwachen und agieren.
Hierfür erfolgt in „modernen Stücken“ sogar eine Übertreibung, die bis ins Absurde mündet.

Franz Xaver Kroetz kann demnach als leidenschaftlicher und nicht kalkulatorischer Vertreter des „modernen Theaters“ verstanden werden – und versteht sich auch selbst so –, welcher während seiner aktiven Zeit mit radikalen Ansichten und radikaler Umsetzung (siehe Interview) „erschrecken“ und verändern wollte.
Diese Provokation scheint ihm mit seinem Stück „Tänzerinnen und Drücker“ erneut gelungen zu sein, was die Reaktionen der „Zeit“ verdeutlichen.

 
 
 

 

 
 
 

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