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Vergleich- "Oberösterreich" (Heinz und Anni) und "Michis Blut" (Marie und Karl)

Zusammenfassung der 1. Szene – 2. Akt – des Volksstückes „Oberösterreich“ von Franz Xaver Kroetz aus dem Jahre 1972.
Analyse des Dialogs zwischen Heinz und Anni.

Vergleich der Paarbeziehung von Heinz und Anni mit der von Marie und Karl (aus dem Stück „Michis Blut“). Abschließende Prüfung,  inwieweit „Oberösterreich“ Merkmale eines Kroetz´schen Volksstücks aufweist.

In dem ersten Akt der zweiten Szene des Volksstückes „Oberösterreich“, geschrieben von Franz Xaver Kroetz im Jahre 1972, befinden wir uns in einer Alltagsszene des Arbeiter-Paares Anni und Heinz.

Das Ehepaar hält sich am Abend gemeinsam in der Küche auf, in welcher Anni das Essen kocht und Heinz in einem Prospekt blättert.
Anni sieht darin die Angebote bezüglich eines Swimming-Pools sowie eines Springbrunnens und äußert, dass sie diese gerne wahrnehmen würde, wenn sie beide einen Garten hätten.
Schließlich schieben sie diese Schwärmerei jedoch beiseite und machen sich an ein schlichtes Abendessen.
Hierbei greift Heinz das Konsumdenken wieder auf. Er erwähnt das neue und kostspielige Auto seines Arbeitskollegen Johanser und beklagt ihr eigenes Auto, einen Kadett.
Anni könne sich den teuren Wagen bei dem monatlichen Kegelabend anschauen, bei welchem er sie unbedingt dabei haben möchte.
Schließlich sagt sie ihm zu liebe, trotz der noch für Ostern zu nähenden Vorhänge, zu und verschiebt ihr pflichtbewusstes Vorhaben auf das Wochenende.

Bei der Betrachtung der Szene fallen sofort der starke Dialekt (Z.16 „...ned...“; Z.62 „...nimmer...“) sowie die zum Teil grammatikalisch falsche Ausdrucksweise (Z.6 „...ladet richtig ein...“; Z.99 „Ich iss schon.“) ins Auge.
Zudem geben die Hauptpersonen oftmals nur elliptische Aussagen bzw. Antworten von sich (Z.7 „Genau.“; Z.58  „Welche Farb?“) und berufen sich auf „Binsenweisheiten“ (Z.45 „Eine gute Köchin spart der Familie Geld...“; Z.90 „Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen.“).
Das Ehepaar scheint abhängig voneinander und sehr auf sich fixiert zu sein(Z.79 „Die Kollegn ham auch die Fraun dabei... Wie das ausschaut.“). Anni und Heinz träumen von einer besseren Wirklichkeit, zügeln sich jedoch recht schnell wieder und betrachten die gegebene Realität (Z.33. „Einen Gartn braucht man dazu...“; Z.36 „Jetzt wird gessn...“).
Insgesamt gehen sie sehr harmonisch miteinander um (Z.49 „Anni lacht. Heinz lächelt. Sie essen.“), wenn sie auch manchmal aneinander vorbeireden bzw. Themensprünge verursachen (Z.51 + 52; Z.74 + 75; Z.95 + 96) oder auch teilweise eher kurz angebunden sind (Z.7, 31, 102 „Genau.“).
Sie zeigen sich interessiert am Leben des anderen Z.89 „Willst es unbedingt habn, dass ich mitgeh?“) und  machen sich neben dem geschenkten Interesse sogar Komplimente (Z.44 „Weil du kochn kannst“; Z.86 „Weil du der Beste bist!“).

Die Paarbeziehung zwischen Heinz und Anni gleicht der Beziehung zwischen Marie und Karl auf Grund der gleichen gesellschaftlichen Stellung sehr.
Beide Paare gehören zu den „kleinen Leuten“ und weisen daher einen eher unkonventionellen Umgang mit der Sprache auf. Sie können sich nicht gewählt ausdrücken, was in elliptischen Aussagen, grammatikalisch falschen Sätzen oder auch „Binsenweisheiten“ seinen Niederschlag findet.
Zudem ist innerhalb beider Beziehungen das Thema Geld ein problematisches Thema.
Jedoch muss man beachten, dass zwischen Heinz und Anni eine große Harmonie trotz der Aussichtslosigkeit ihrer Lage und des Geldmangels herrscht, bei Marie und Karl aber Beleidigung und das „Nebeneinander“ vorherrschen.
Letztere reden oft aneinander vorbei, Anni und Heinz gehen jedoch häufig aufeinander ein und zeigen sich interessiert am Leben des anderen.
Bei beiden Ehepaaren ist eine gewisse Isolation von der übrigen Gesellschaft vorzufinden, da sie sehr auf sich fixiert sind.
Marie und Karl vermitteln jedoch das Gefühl, dies eher mangels Alternative und größtenteils nur auf körperlicher Ebene auszuleben. Die anderen beiden scheinen sich aufrichtig zu mögen und mit der Wahl des jeweiligen Partners zufrieden zu sein.

„Oberösterreich“ weist demnach typische Merkmale eines Kroetz´schen Volksstückes auf, da es sich mit dem niederen sozialen Milieu auseinandersetzt und hierfür die Sprache als zentrales Ausdrucksmittel nutzt.
Das Paar kann sich nicht gewählt ausdrücken und bedient sich daher teilweise leerer Floskeln, die nicht der eigenen Sprache entsprechen.
Auch ist bezüglicher der gesamten Szene anzumerken, dass eine relativ ausgeprägte Harmonie zwischen den Hauptpersonen herrscht, die in früheren Stücken Kroetz´ („Michis Blut“) eher in beleidigender Art ihren Niederschlag fand. Hierdurch wird neben der Aussichtslosigkeit auch ein leichter Hoffnungsschimmer angedeutet.
Dennoch ist die Kritik an der gehobenen und kapitalistisch orientierten Gesellschaft wie immer deutlich herausgestellt.

 
 
 

 

 
 
 

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