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Zusammenfassende Beobachtung der "Stimmen"

 

„Medea“ – Zusammenfassende Beobachtung der „Stimmen“ bzw. des spezifischen Erzählsystems dieses Romans

Für den Roman „Medea“ von Christa Wolf sind viele Gestaltungsprinzipien und Erzählstile kennzeichnend.
Es handelt sich um ein Erzählsystem der Stimmen, welches sich aus 11 Monologen zusammensetzt.

Die Stimmen der Hauptperson Medea sind systematisch angeordnet und befinden sich zudem an zentralen Stellen (Anfang und Schluss) des Romans.
Kennzeichnend hierfür sind vor allem die bestimmten Adressaten, an welche sich Medea wendet. Auch einzelne Satzfragmente bzw. Ellipsen und Parataxen, welche zwischen einer großen Anzahl von Hypotaxen auftreten, sind typisch. Daneben gebraucht Medea in ihren Stimmen viele Metaphern und Vergleiche sowie Redewendungen und rhetorische Fragen.
Mit den übrigen Stimmen verhält es sich zumindest in der Art der verwendeten Stilmittel  ähnlich.
Jason gebraucht wie Medea Anaphern bzw. Wiederholungen und umgangssprachliche Redewendungen. Jedoch handelt es sich hier nicht um die Anrede eines bestimmten Adressaten, sondern die Wiedergabe bestimmter Gespräche. (hier: Medea – Akamas)
Gleichermaßen verhält es sich mit der Stimme von Glauke. Auch hier erfolgt eine Wiedergabe von Gesprächen und Meinungen, für welche Wiederholungen und Hypotaxen gebraucht werden. Ein neuer Aspekt ist der deutliche Dualismus.
Agameda beschreibt die Umstände in einer ausgeprägten Ich-Erzählform, wofür wieder ein Wechsel von Hypo- und Parataxen sowie Wiederholungen erfolgt.
Für die Stimme des Akamas ist hauptsächlich der Einsatz der indirekten Rede (Konj. II) charakteristisch. Hiermit äußert er seine Beobachtungen und schildert sie möglichst sachlich-neutral bzw. distanziert. Einschärfende Wiederholungen sind auch hier vorhanden und wie bei Agameda der häufige Gebrauch der ersten Person Singular.
Die beiden Stimmen des Leukon gleichen sich zwar in dem Gebrauch der Stilmittel, weisen jedoch zwei unterschiedliche Wirkungen auf. Die erste Stimme besteht aus einer ruhigeren, geschlosseneren Erzählweise, die zweite erscheint jedoch melancholisch und verdeutlicht zusätzlich eine Zerrüttung seines Gefühlslebens. Während Leukon Ereignisse und Gespräche wiedergibt, gebraucht er oftmals Ironie und Parataxen im Wechsel mit Hypotaxen, letzteres besonders, wenn eine Emotion ausbricht. Bei seinen Schilderungen ist er stets chronologisch und genau.

Christa Wolf hat ein zentrales Element des Dramas für die epische Gestaltung ihrer „Medea“ übernommen und mit diesem Strukturprinzip die Grenzen zwischen bestimmten Gattungen aufgehoben, so dass es unklar ist, welche die passendere ist. Raum und Zeit haben hier ihre strukturierende Funktion verloren und der Erzählvorgang ist in Einzelteile zerbrochen.
Kriterien wie Kontinuität, Geschlossenheit und Anschaulichkeit spielen bei diesem „modernen Roman“ eine weniger entscheidende Rolle. Vielmehr treten an deren Stelle die Faszination des Erzählten sowie die Intensität, welche von der neuartigen Komposition ausgehen. Der Leser wird zunächst verwirrt und es wird von ihm abverlangt, die Geschehnisse herauszufiltern. Er muss aus den erzählten „Einzelwahrheiten“ eine für sich passende „Gesamtwahrheit“ wählen, wofür ihm hier viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen, welche die individuelle Identifikation erleichtern sollen.

 
 
 

 

 
 
 

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